In vielen Städten der Welt stehen Wohnungen leer – mitten in der Wohnungsnot. Nicht, weil sie niemand will. Sondern, weil sie jemand besitzt. Wohnungen und Häuser werden als Kapital geparkt, oft monatelang oder jahrelang unbewohnt. Für Außenstehende bleibt dieser Leerstand meist unsichtbar. Die Fenster bleiben sauber, die Jalousien halb geöffnet – und der Markt beruhigt.
Was wäre, wenn das nicht mehr ginge? Was, wenn ein Gebäude seine Bewohnung braucht – wie ein Körper Sauerstoff? Und was, wenn es beginnt zu zerfallen, wenn niemand mehr darin atmet?
Das Konzept der Atemhäuser ist ein architektonischer Gegenentwurf zur stillen Normalität des Leerstands. Hier wird Nutzung nicht durch Gesetze eingefordert, sondern durch das Gebäude selbst.
Die Wände von Atemhäusern sind mit einem bio-reaktiven Material verputzt – einer Mischung aus Myzelstrukturen, Algenfasern und mineralischen Bindemitteln. Dieses intelligente Material ist in den Putz eingearbeitet und durchzieht die gesamte Wohnung. Es lebt. Und es braucht den Menschen.
Solange jemand in der Wohnung lebt, wird das Material durch Atemluft, CO₂, Feuchtigkeit und Körperwärme genährt. Es bleibt stabil. Fest. Sanft gefärbt. Doch wenn über längere Zeit niemand da ist – kein Atem, kein Leben – beginnt der Zerfall.
Nach etwa vier Wochen ohne menschliche Präsenz setzt ein langsamer, aber unaufhaltsamer Prozess ein: Die Pigmente im Putz verblassen. Erste Risse entstehen. Feines Material beginnt sich abzulösen. Das Haus wirkt wie eine Haut, die zu lange der Sonne ausgesetzt war – trocken, spröde, blass. Mit der Zeit breiten sich die toten Materialzonen weiter aus. Die organischen Anteile sterben ab, die mineralische Struktur verliert an Halt. Wände beginnen zu krümeln. Decken verziehen sich.
Der Innenraum wird zu einem Raum des Verfalls – nicht durch Gewalt, sondern durch Abwesenheit.
Doch es bleibt nicht im Inneren verborgen. Das bio-reaktive Material breitet sich – zusammen mit seiner Degeneration – durch feine Mikrorisse und Poren bis zur Fassade aus. Dort trifft es auf Sonnenlicht. Und genau dort zeigt sich der Leerstand dann öffentlich sichtbar:
Die Fassade beginnt sich zu verfärben. Langsam, aber unübersehbar, wandelt sich der neutrale Beigeton in ein blasses Orange. Eine Farbe, die im Stadtbild auffällt. Nicht aggressiv, sondern irritierend. Still, aber eindeutig.
Wer durch die Straße geht, sieht auf einen Blick: Hier wohnt niemand. Hier wird Wohnraum zurückgehalten, wo er fehlen sollte.
Die Idee der Atemhäuser ist radikal – nicht, weil sie Gesetze bricht, sondern weil sie die Natur des Besitzes neu denkt. In dieser Fiktion reicht Eigentum nicht aus. Ein Haus will bewohnt werden. Ein Raum, der nicht geteilt wird, verliert sich selbst.
Die Atemhäuser machen Leerstand nicht illegal. Sie machen ihn sichtbar. Und sie machen ihn instabil.
Es ist ein spekulatives Design für eine Welt, in der Architektur mehr ist als Hülle: ein lebendiges, atmendes System, das nur im Miteinander existieren kann.
Analyse des Konzepts anhand von Designfiktion Kritierien.
Reality Check anhand aktueller Studien und Forschung.
ᏰᏒᏋᏋᎴᏋᏒ LLM is working now...
Relektiert die Kernideen des Konzepts und generiert vereinfachte Varianten - die mit niederschwelligen Methoden und Materialien umsetzbar sind.
Reflektiert die ethische Perspektive auf das Projekt - sucht und hinterfragt kritische blinde Flecken im Konzept und entwickelt erbauliche loesungsorientierte Fragestellungen.
Reflektiert zugrundeliegende intrinsische Motivation des Projektes - untersucht diese kritisch und reflektiert mit erbaulichen Fragestellungen.
Zeigt Verbindungen oder interessante Überschneidungen zu anderen Konzepten innerhalb dieser BREEDER Instanz.
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