Was wäre, wenn du etwas fühlen könntest, was du nie erlebt hast?
„NeuroCore“ setzt sich mit der biotechnologischen Manipulation von Erinnerung und Identität auseinander. Im Mittelpunkt steht ein pilzbasiertes Implantat, die sogenannten Mykohörner, die durch eine Injektion in der Kopfhaut wachsen und sich mit dem Nervensystem der Nutzer:innen verbinden.
Über diese biologischen Schnittstellen können mithilfe sogenannter BlueCaps standardisierte Erinnerungen in den Körper eingespeist werden, inklusive emotionaler Empfindungen wie Nähe, Stolz oder Geborgenheit. Möglich wird das durch gezielte hormonelle Stimulation (z. B. Dopamin, Oxytocin), die mit den gespeicherten Erinnerungsprofilen gekoppelt ist. Die BlueCaps werden nicht individuell aufgezeichnet, sondern durch KI aus einem Fundus kollektiver Daten generiert. Dabei werden reale Erinnerungen gesampelt, emotional analysiert, synthetisch rekonstruiert und in ein neuronales Aktivitätsmuster übersetzt. Diese Muster werden anschließend in biologisch leitfähige Trägerstrukturen eingebettet. Jeder BlueCap enthält genau ein Erlebnis: ein Gefühlspaket, das über die Mykohörner in das Nervensystem eingespeist wird, nicht visuell, sondern bioelektrisch.
Sobald der Körper alle hormonellen Impulse aufgenommen hat und keine neuen Erinnerungen mehr eingeführt werden, beginnen die Mykohörner zu verwelken. Wie organische Antennen verlieren sie ihre Verbindung zum Nervensystem, sterben biologisch ab und lösen sich vom Kopf, zurück bleibt wesentlich eine Narbe. Der Körper stößt sie zwar ab, jedoch bleiben die Erinnerung erhalten.
Gesellschaftliche Nutzung:
Die Technologie wurde ursprünglich für therapeutische Zwecke entwickelt, etwa zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen, Demenz oder schweren Depressionen. Ziel war es, belastende Erinnerungen zu überschreiben oder verlorene kognitive Muster zu regenerieren. Das Versprechen: Menschen können emotionale Lücken schließen, sich selbst optimieren oder ihre Vergangenheit umschreiben, ohne sie je erlebt zu haben. Die Realität: Die gleichen Erinnerungen werden tausendfach weitergegeben. Persönliche Geschichte wird zur Massenware. Was individuell erscheint, ist in Wahrheit produziert, gefühlt, konsumiert.
Konflikte und Problemfelder:
Identitätskrisen: Wenn zentrale Erlebnisse, die uns geprägt haben, nicht echt sind, was bleibt dann von dem, was wir „Ich“ nennen? Wer bin ich, wenn meine Persönlichkeit auf Erinnerungen basiert, die nie meine waren?
Emotionale Entfremdung: Beziehungen geraten ins Wanken. Freundschaften, Partnerschaften, familiäre Bindungen, sie basieren oft auf gemeinsam Erlebtem. Doch was passiert, wenn das „gemeinsame“ Erlebnis gekauft oder implantiert wurde?
Ethische Fragen: Dürfen Menschen ihre Vergangenheit nach Wunsch gestalten? Gibt es ein „Recht auf echte Erinnerungen“? Sollten künstlich erzeugte Erinnerungen gekennzeichnet werden müssen, etwa im Lebenslauf, bei Bewerbungen, in Beziehungen?
NeuroCore ist damit ein kritischer Entwurf an der Grenze zwischen Körpertechnologie, KI-generierter Erfahrung und biopolitischem Produktdesign.
Analyse des Konzepts anhand von Designfiktion Kritierien.
Reality Check anhand aktueller Studien und Forschung.
Mykohörner als pilzbasierte Neurointerfaces sind theoretisch denkbar, da Pilzmyzel bereits in Experimenten (z.B. "Fungal Architectures" von Adamatzky 2021) elektrische Signale leiten kann. Die präzise Kopplung von hormonellen Impulsen mit synthetischen Erinnerungsmustern übersteigt jedoch aktuelle Möglichkeiten – Oxytocin-Ausschüttung lässt sich nicht punktgenau an bioelektrische Muster binden (Quelle: Nature Neuroscience, 2023 zu Neuromodulation).
Identitätskrisen sind plausibel: Erinnerungen konstruieren laut narrativer Identitätstheorie (Bruner) das Selbst. Künstliche Implantate könnten zu "Patchwork-Identitäten" führen, ähnlich wie bei dissoziativen Störungen. Ein pragmatischer Ansatz: Nutzung nur für fehlende Erlebnisse (z.B. Elternliebe bei Waisen), nicht zum Überschreiben existierender Erinnerungen.
Emotionale Entfremdung ist ein reales Risiko – gemeinsame Erinnerungen stabilisieren soziale Bindungen (Durkheims "kollektives Gedächtnis"). Lösungsvorschlag: "Erinnerungs-Tracing", das künstliche Implantate in sozialen Profilen sichtbar macht, ähnlich wie Gen-Daten bei Dating-Apps.
Das Konzept erinnert an "experience machines" (Nozick), wirft aber neue Fragen auf: Wer kontrolliert den BlueCap-Fundus? Kollektivdaten bergen Bias-Risiken (z.B. nur westliche Glücksvorstellungen). Alternative: Dezentrale, open-source Erinnerungsbibliotheken mit Nutzer*innen-kuratierbaren Inhalten.
Das organische Absterben der Mykohörner ist symbolisch stark, aber medizinisch fragwürdig – Pilzreste könnten Entzündungen verursachen. Besser: Biologisch abbaubare Nanofasern (vgl. Science Advances, 2022 zu transienter Elektronik).
Der ursprüngliche Ansatz (PTBS-Behandlung) ist legitim, aber die Massenproduktion von Gefühlen reproduziert Kapitalismuskritik (Byung-Chul Hans "Psychopolitik"). Minimalforderung: Staatliche Regulierung als Medizinprodukt, kein freier Verkauf.
ᏰᏒᏋᏋᎴᏋᏒ LLM is working now...
Relektiert die Kernideen des Konzepts und generiert vereinfachte Varianten - die mit niederschwelligen Methoden und Materialien umsetzbar sind.
Minimalistisch
Ein einfacher Prototyp könnte mit einem Kopfhörer und einer Augenbinde realisiert werden. Der Kopfhörer spielt eine Audioaufnahme ab, die eine emotionale Situation beschreibt – etwa ein Erfolgserlebnis oder eine vertraute Umarmung. Gleichzeitig wird über ein kleines Wärmepad am Handgelenk oder eine sanfte Vibration ein physischer Reiz erzeugt, der das beschriebene Gefühl unterstreicht. Die Kombination aus auditiver Suggestion und taktilem Feedback simuliert das Einspeisen einer Erinnerung, ohne biotechnologische Eingriffe.
Invertiert
Statt künstliche Erinnerungen zu erzeugen, wird hier das Gegenteil getestet: eine Methode, um reale Erinnerungen bewusst zu löschen oder zu verändern. Dafür wird ein Tagebuch verwendet, in dem persönliche Erlebnisse notiert werden. Anschließend werden einzelne Einträge geschwärzt, umgeschrieben oder durch kollektive Erzählungen aus Büchern oder Filmen ersetzt. Der Prototyp fragt: Was passiert, wenn wir bewusst Erinnerungen manipulieren, statt sie passiv zu empfangen?
Transformiert
Ein provokativer Ansatz wäre, die Idee der "gekauften Erinnerungen" ins Absurde zu treiben. Dafür werden Postkarten oder Fotos verwendet, die scheinbar reale Momente zeigen – aber tatsächlich aus fremden Alben, Magazinen oder dem Internet stammen. Diese Bilder werden in das eigene Fotoalbum eingefügt oder als Erinnerungsstücke präsentiert. Der Prototyp hinterfragt, wie sehr unsere Identität bereits von externen Quellen geprägt ist, ohne dass wir es merken.
Reflektiert die ethische Perspektive auf das Projekt - sucht und hinterfragt kritische blinde Flecken im Konzept und entwickelt erbauliche loesungsorientierte Fragestellungen.
Die Idee, Erinnerungen künstlich zu erzeugen, wirft grundlegende ethische Fragen auf: Wenn Menschen ihre Vergangenheit nach Belieben umschreiben können, verliert die Gesellschaft den Bezug zu gemeinsamer Realität. Authentizität und Vertrauen könnten untergraben werden. Ein Lösungsansatz: klare Regulierung, welche Erinnerungen manipuliert werden dürfen – etwa nur zu therapeutischen Zwecken.
Da die BlueCaps aus kollektiven Daten generiert werden, könnten sie dominante kulturelle Narrative verstärken und marginalisierte Perspektiven ausblenden. Wer entscheidet, welche Erinnerungen „wertvoll“ sind? Hier braucht es Diversität in den Datensätzen und transparente Auswahlkriterien, um Stereotype nicht zu zementieren.
Wenn Erinnerungen aus bestehenden Daten gesampelt werden, reproduziert die Technologie möglicherweise überholte Machtstrukturen. Beispiel: Gefühle von „Stolz“ oder „Geborgenheit“ könnten traditionelle Rollenbilder festschreiben. Eine Lösung wäre, Nutzer:innen selbst Erinnerungen beizusteuern, statt auf zentralisierte KI zurückzugreifen.
Pilzbasierte Implantate erfordern spezifische Biotech-Infrastruktur – ein Privileg reicher Länder. Zudem: Wer kontrolliert die biologischen Rohstoffe? Lokale Produktion und faire Ressourcenverteilung könnten Abhängigkeiten verringern.
Nicht alle Menschen können sich solche Implantate leisten oder vertragen sie gesundheitlich. Das schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: die mit „optimierten“ Erinnerungen und die ohne. Staatliche Förderung für medizinische Anwendungen und Preisobergrenzen wären ein Schritt zur gerechteren Nutzung.
Hinter NeuroCore stecken vermutlich Tech-Konzerne oder Regierungen, die Einfluss auf kollektive Erinnerungen nehmen. Dezentrale Alternativen, etwa Open-Source-Implantate oder gemeinwohlorientierte Datenbanken, könnten Machtkonzentration verhindern.
Reflektiert zugrundeliegende intrinsische Motivation des Projektes - untersucht diese kritisch und reflektiert mit erbaulichen Fragestellungen.
Zeigt Verbindungen oder interessante Überschneidungen zu anderen Konzepten innerhalb dieser BREEDER Instanz.
Mnemos ist dem Ausgangskonzept „NeuroCore“ am ähnlichsten, da beide künstliche Erinnerungen thematisieren. Während NeuroCore pilzbasierte Implantate nutzt, um bioelektrische Erinnerungen einzuspeisen, geht Mnemos von einer direkten digitalen Einspeisung aus. Beide hinterfragen Identität und Echtheit von Erlebnissen, wobei NeuroCore stärker den biologischen Aspekt betont.
https://designfiction.turboflip.de/mnemos-–-erinnerungen-auf-bestellung
MycoAdapter kombiniert Pilztechnologie mit Sinneserweiterung – ähnlich wie NeuroCore Mykohörner nutzt. Eine Verbindung beider Konzepte könnte Erinnerungen nicht nur implantieren, sondern durch pilzbasierte Sensorik auch neue Sinneseindrücke generieren. Die temporäre Natur von MycoAdapter ergänzt NeuroCores absterbende Mykohörner.
https://designfiction.turboflip.de/mycoadapter-temporäre-sensorische-körper-erweiterung
Fitterbit steht im Gegensatz zu NeuroCore, da es bewusst auf Technologie verzichtet. Während NeuroCore Erinnerungen manipuliert, fordert Fitterbit zur digitalen Entschleunigung auf. Eine Kombination beider könnte echte Erlebnisse gegen implantierte abwägen – ein Spannungsfeld zwischen Biotech und analoger Selbstreflexion.