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✎ von tobi am Juli 28, 2025 -

»xxxtinct« unmaking the Y – Eine postpatriarchale Designfiktion

»xxxtinct« ist eine spekulative Designfiktion, die sich radikal mit der Zukunft der Menschheit nach der Auslöschung des Y-Chromosoms auseinandersetzt. Inspiriert vom SCUM Manifesto von Valerie Solanas, entwirft das Projekt eine Welt, in der biologische Männlichkeit als evolutionärer Unfall erkannt und mittels biotechnologischer Innovationen vollständig überwunden wurde. In dieser Zukunft existiert eine fürsorgliche, postgeschlechtliche Gesellschaft, in der Reproduktion kollektiv organisiert und patriarchale Strukturen zu einem archäologischen Kuriosum geworden sind.!

Ausgangspunkt: Wissenschaft trifft radikalen Feminismus

Im späten 21. Jahrhundert entdecken führende Genetikerinnen, dass das Y-Chromosom – im Vergleich zu anderen Chromosomen – instabil, mutiert und degenerativ ist. Es besitzt nur einen Bruchteil der Gene des X-Chromosoms und wird zunehmend als evolutionäre Fehlbildung verstanden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen und inspiriert vom längst wiederentdeckten SCUM Manifesto aus dem 20. Jahrhundert, entsteht eine globale Bewegung: die biologische Grundlage des Patriarchats muss ein Ende finden.

defektes chromosom


Der Übergang: Von Mutation zu Revolution

Ein globales Netzwerk aus Forscherinnen, Hackerinnen, Künstlerinnen und Aktivistinnen treibt die Entwicklung von geschlechtsunabhängiger Reproduktionstechnologie voran. Menschliche Fortpflanzung wird von binären Geschlechtern entkoppelt. In einer Übergangsphase – genannt „Das Reinigungsjahrhundert“ – wird das Y-Chromosom systematisch aus dem Genpool entfernt. Reproduktion findet nun ausschließlich in exogenen Biotanks (Brutkästen) statt, unterstützt durch kollektive Fürsorge-Modelle. Gesellschaftliche Rollen, Erziehung und Bindung basieren auf emotionaler Kompetenz und nicht auf Geschlecht. Die biologische Männlichkeit – mitsamt ihrer historischen Prägung auf Dominanz, Konkurrenz und Gewalt – verschwindet vollständig.

geschlechtsneutrale Reproduktion als kollektive Aufgabe


Die Zukunft: Eine Welt ohne Y

„xxxtinct“ beschreibt eine Zukunft, in der keine Männer mehr existieren – nicht durch Gewalt, sondern durch sanfte, technologische Überwindung eines fehlerhaften Genmerkmals. Die post-Y-Gesellschaft ist weder utopisch noch dystopisch, sondern komplex, widersprüchlich und zutiefst transformiert. Kinder werden kollektiv erzogen, Fürsorge ist systemisch verankert, Besitz und Hierarchie dekonstruiert.

Es existieren Museen der Männlichkeit, Archive über das „alte Geschlecht“ – wie man auch Dinosaurier oder ausgestorbene Arten dokumentiert. Anstelle von Vaterfiguren, Königen und Helden gibt es Mentor*innen-Kollektive, Empathie-Infrastrukturen und Erinnerungspolitik.

Bildbeschreibung


Ästhetik & Sprache

Die visuelle Welt von „xxxtinct“ ist geprägt von einem Kontrast aus biotechnologischer Glätte und postfeministischer Subversion: Brutstationen in sterilen Räumen treffen auf grafische Archive voller Anti-Patriarchats-Graffiti, Hologramme ehemaliger Machtsymbole, zerlegte Statuen von Diktatoren und eine neue semiotische Sprache. Die Kommunikation verwendet genderneutrale oder eigens entwickelte Pronomen. Begriffe wie „Mann“ oder „Vater“ sind veraltet – stattdessen spricht man von „Ursprungsbeiträgerin“ oder „Genquelle Null“.


Fazit

Obwohl „xxxtinct“ sich in seinem spekulativen Ausgangspunkt auf genetische Prämissen stützt, versteht sich das Projekt nicht als biologistisches Argument, sondern als radikale Designfiktion, die mit bewusst überzeichneten Zukunftsszenarien arbeitet. Die Referenz auf Valerie Solanas’ SCUM Manifesto ist dabei nicht wörtlich, sondern konzeptuell zu verstehen: weniger als Aufruf zur physischen Auslöschung von Männern, sondern als symbolische, soziokulturelle Abrechnung mit dem System „Männlichkeit“.

Heute wird Solanas’ Position differenzierter gelesen – nicht als naiv-naturalistische Behauptung über das Y-Chromosom, sondern als extreme, satirisch überzeichnete Kritik an einer institutionalisierten, biologisierten Form von Männlichkeit, die Gewalt, Dominanz und Hierarchie reproduziert. Die in „xxxtinct“ entworfene Welt greift diesen Impuls auf, um das Patriarchat als historisch gewordene, kulturell stabilisierte Ordnung zu dekonstruieren – nicht, weil Männlichkeit genetisch defekt sei, sondern weil sie als komplexes, tief eingeschriebenes Machtgewebe erkannt wird, das sich über Körper, Sprache, Reproduktion und Affekte erstreckt.

In diesem Sinne ist „xxxtinct“ keine Prognose, sondern eine ästhetisch-politische Provokation, ein Werkzeug, um unsere Vorstellungen von Geschlecht, Technologie und Zukunft radikal zu hinterfragen – nicht zuletzt auch, um unsere Gegenwart zu erkennen: als biologisch-biografisches Konstrukt, das niemals „neutral“ war.

Bildbeschreibung




speculatives

Analyse des Konzepts anhand von Designfiktion Kritierien.


#1 Bezug zur eigenen Lebenswelt
Die radikale Infragestellung von Geschlechterrollen ist hochaktuell, aber die totale Entkopplung von biologischer Reproduktion wirkt lebensweltlich fremd. Lösungsansatz: Statt kompletter Abschaffung des Y-Chromosoms könnte das Konzept hybride Modelle einbeziehen – z.B. freiwillige genetische Modifikation oder kulturelle Neuinterpretation von Männlichkeit.

#2 Relevanz gesellschaftlicher Themen
Das Patriarchat als Systemkritik ist relevant, aber die biologistische Argumentation („fehlerhaftes Genmerkmal“) ist problematisch. Besser: Die Technologie als Werkzeug zur Befreiung von biologischem Determinismus darstellen, ohne Männlichkeit pauschal zu pathologisieren.

#3 Gestalterische Zuspitzung
Die Überzeichnung (Museen der Männlichkeit wie Dinosaurier) ist effektiv, wirkt aber teils absurd statt provokant. Schärfer wäre ein Fokus auf reale Machtstrukturen – z.B. wie Technologie bestehende Hierarchien transformiert, statt sie einfach zu löschen.

#4 Symbolik und Metaphern
Die „Biotanks“ und „Genquelle Null“ sind starke Bilder, aber die Sprache wirkt steril. Mehr Poesie wagen: Wie fühlt sich eine Welt an, in der Fürsorge tatsächlich systemisch ist? Emotionale Metaphern könnten die Abstraktion brechen.

#5 Narrative Konsistenz
Der Sprung von Genetik zu Revolution ist zu glatt. Wo bleibt der Widerstand? Konflikte (z.B. ethische Debatten, technologische Rückschläge) würden die Fiktion glaubwürdiger machen.

#6 Irritative Reibung
Die Provokation gelingt, aber sie bleibt einseitig. Warum nicht auch positive Aspekte von Männlichkeit dekonstruieren? Z.B.: Gibt es in der neuen Welt keine Machtkämpfe mehr? Oder verlagern sie sich nur?

#7 Varianz
Es fehlen Gegenentwürfe: Wie sähe eine Welt aus, in der das Y-Chromosom reformiert statt eliminiert wird? Oder eine, in der Technologie Geschlecht vervielfältigt statt abschafft? Mehr Alternativen würden das Spektrum erweitern.

Pragmatische Ideen

  • Zeige Übergangsphasen: Wie reagieren Männer auf ihre „Auslöschung“? Gibt es Allianzen?
  • Nutze Ambivalenz: Die neue Gesellschaft könnte neue Hierarchien entwickeln – etwa zwischen „Genquellen“ und „Nicht-Trägerinnen“.
  • Integriere reale Debatten: CRISPR, Leihmutterschaft oder Queer-Theorie als Brücken zur Gegenwart.

realistics

Reality Check anhand aktueller Studien und Forschung.


  • noch kein reality check vorhanden -

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ᏰᏒᏋᏋᎴᏋᏒ LLM is working now...


metadata

pragmatics

Relektiert die Kernideen des Konzepts und generiert vereinfachte Varianten - die mit niederschwelligen Methoden und Materialien umsetzbar sind.


ethics

Reflektiert die ethische Perspektive auf das Projekt - sucht und hinterfragt kritische blinde Flecken im Konzept und entwickelt erbauliche loesungsorientierte Fragestellungen.


intrinsics

Reflektiert zugrundeliegende intrinsische Motivation des Projektes - untersucht diese kritisch und reflektiert mit erbaulichen Fragestellungen.


network

Zeigt Verbindungen oder interessante Überschneidungen zu anderen Konzepten innerhalb dieser BREEDER Instanz.


1 Ähnlichstes Konzept: Das Amber Proxy Tribunal

Beide Konzepte nutzen Biotechnologie als Werkzeug für gesellschaftliche Transformation, allerdings mit unterschiedlichen Zielen. Während „xxxtinct“ das Y-Chromosom als Symbol für patriarchale Strukturen dekonstruiert, setzt das Amber Proxy Tribunal auf genetische Replikation, um Machtmissbrauch aufzudecken. Beide hinterfragen biologische und soziale „Wahrheiten“, aber der Fokus liegt einmal auf Geschlecht, einmal auf Gerechtigkeit.
https://designfiction.turboflip.de/das-amber-proxy-tribunal

2 Interessante Kombination: NeuroCore - Erinnerungen auf Bestellung

Die Idee künstlicher Erinnerungen könnte die post-Y-Gesellschaft bereichern: Wie würden kollektiv erzogene Kinder mit implantierter Erinnerungspolitik umgehen? Während „xxxtinct“ biologische Männlichkeit archiviert, manipuliert NeuroCore Erinnerungen – eine spannende Spannung zwischen Löschung und Neuschreibung.
https://designfiction.turboflip.de/neurocore-erinnerungen-auf-bestellung

3 Konträres Konzept: Symbiotische Nachbarschaften - urbane Permakultur

Hier steht kooperative Ökologie gegen radikale Genetik. Beide entwerfen postkapitalistische Modelle, aber während „xxxtinct“ Fortpflanzung technokratisch kontrolliert, setzt Permakultur auf natürliche Kreisläufe. Eine Verbindung könnte zeigen, wie Care-Arbeit jenseits von Geschlecht in beiden Systemen funktioniert.
https://designfiction.turboflip.de/symbiotische-nachbarschaften-urbane-permakultur

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